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Bergsturz Blatten: Ein Jahr danach

25. Juni 2026

Ein Jahr nach dem Bergsturz befindet sich Blatten in einer intensiven Wiederaufbauphase. Die Gefahrenlage am Kleinen Nesthorn wird weiterhin eng überwacht, da nach wie vor instabile Felsmassen vorhanden sind.

Permanente Überwachung des Nesthorns

Autonome GPS-Sensoren und Kameras beobachten die Bergflanke des Nesthorns rund um die Uhr. Ergänzt werden diese Messungen durch periodische Luftbildaufnahmen aus dem Helikopter. Die gewonnenen Daten ermöglichen es, Veränderungen am Berg laufend zu dokumentieren und die Volumen der Geschiebedepots zu bestimmen, welche bei Starkniederschlägen als Murgänge ins Tal fliessen könnten.

Rückkehr der Bevölkerung und erste Bauprojekte

Seit Ende Mai 2026 konnten erste Bewohnerinnen und Bewohner in unversehrte Bereiche von Weissenried, Eisten und Teilen von Blatten zurückkehren.

Gleichzeitig laufen die Vorbereitungen für den eigentlichen Wiederaufbau. Die temporäre Seilbahn für die Wintererschliessung des Weilers Weissenried befindet sich im Bau, zerstörte Gebäude werden rückgebaut, die provisorische Strassenerschliessung nach Blatten wurde fertiggestellt und der Bau der neuen Kantonsstrasse an der Nordflanke des Tals wurde in Angriff genommen.

Herausforderung Schuttkegel

Eine besondere Herausforderung stellt weiterhin der gewaltige Schuttkegel dar. Dieser enthält noch erhebliche Eisanteile und muss vor einer Überbauung aufwendig stabilisiert werden.

Dazu wird das Material schichtweise abgetragen, entwässert, getrocknet und anschliessend wieder eingebaut und verdichtet. Erst danach kann auf dem Gelände langfristig sicher gebaut werden.

Terradata unterstützt Monitoring und Wiederaufbau

Drohnenvermessung des Schuttkegels

Nachdem die automatisierten Drohnenbefliegungen des Schuttkegels Ende November 2025 für die Winterzeit pausiert wurden, hat Terradata die Flüge im April 2026 wieder aufgenommen.

Der Schuttkegel wird derzeit im Zweiwochenrhythmus mit Orthophotos und digitalen Höhenmodellen dokumentiert. Die Bauarbeiten an der neuen Seilbahn sowie an der Kantonsstrasse werden zusätzlich wöchentlich aus der Luft erfasst und dokumentiert.

Geotechnisches Monitoring im Schuttkegel

Bereits im November 2025 wurden auf dem Schuttkegel drei Bohrungen bis in Tiefen von 28 Metern erstellt und mit Sensorik sowie Messrohren ausgerüstet. Ziel ist es, das Verhalten des Schuttkörpers besser zu verstehen, in dem sich teilweise noch gefrorene Eis-Geröll-Schichten befinden.

Mit manuellen Inklinometer- und Inkrexmessungen wird das plastische Verhalten des Materials untersucht. Thermistorenketten mit Temperatursensoren im Abstand von einem Meter liefern stündlich Informationen darüber, ob und wie schnell die Eis-Geröll-Schichten auftauen. Ergänzend erfassen Porenwasserdrucksensoren die Veränderungen der gespannten Grundwasserschichten im Jahresverlauf.

Alle Daten zentral in TEDAMOS

Sämtliche Drohnenaufnahmen sowie die geotechnischen Messdaten werden den beteiligten Spezialisten über TEDAMOS Web zur Verfügung gestellt. Die Plattform ermöglicht den zentralen Zugriff auf aktuelle Messwerte, Zeitreihen, Orthophotos, Höhenmodelle und weitere Projektdaten und bildet damit eine wichtige Grundlage für die Beurteilung der Gefahrenlage und die Planung der Wiederaufbaumassnahmen.

Vermessungsarbeiten für die neue Seilbahn

Zusätzlich wurde Terradata mit dem Vermessungsmandat für die neue Seilbahn nach Weissenried beauftragt.

Neben der Dokumentation der Bauarbeiten an Tal- und Bergstation mittels Webcams umfasst das Mandat klassische Bauvermessungsaufgaben wie die Erstellung von Fixpunktnetzen, Absteckungen, Kontrollmessungen, das Ausrichten der Stützen sowie die Aufnahme von Werkleitungen.

Wie geht es mit Blatten weiter?

Das Ziel von Gemeinde und Kanton ist klar: Blatten soll eine Zukunft haben. Geplant ist jedoch kein identischer Wiederaufbau des alten Dorfes, sondern die Entwicklung eines «Neuen Blatten» an einer sichereren und erhöhten Lage.

Zeitplan bis 2030

Der Nutzungs- und Zonenplan soll ab 2027 schrittweise konkretisiert werden. Bis spätestens 2029 sollen die wichtigsten Infrastrukturen wie Kantonsstrasse, Werkleitungen und öffentliche Einrichtungen bereitstehen. Ab 2029 soll der Hochbau beginnen, sodass die ersten neuen Gebäude ab 2030 bezogen werden können.

Der Wiederaufbau von Blatten gilt schweizweit als eines der bedeutendsten Projekte im Umgang mit Naturgefahren, Klimawandel und resilienter Siedlungsentwicklung im alpinen Raum.

Die kommenden Jahre werden zeigen, wie ein Dorf unter veränderten geologischen Rahmenbedingungen neu entstehen kann – begleitet von modernem Monitoring, geotechnischen Messungen und einer umfassenden digitalen Dokumentation.

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